
Kriegsreporter: Klares Konzept und gute Kontakte
Von Christina Quast
Sein Arbeitsplatz ist in Vietnam, Angola, Irak oder Afghanistan, denn Christoph Maria Fröhder folgt Krisen rund um die Welt. Es sind politische Krisen, die immer wieder in Gewalt eskalieren. Darüber berichtet Fröhder für die ARD.
Mit seinem vollem Namen - Christoph Maria Fröhder - stellt sich der Journalist beim Erzählcafe der Medien-SommerAkademie seinen etwa 15 Zuhörern vor. Ebenso freundlich wie bestimmt nennt er seinen Namen, wenn er bei seiner Arbeit in brenzlige Situationen gerät – etwa entführt werden soll. Mit seiner bestimmenden und unnachgiebigen Art hat Fröhder schon einigen Angreifern zugesetzt. Wie er zum Kriegsreporter wurde, möchte ein Teilnehmer wissen. "Per Zufall bin ich rein gerutscht", antwortet der Journalist aus Frankfurt. Der erste Krieg, über den Fröhder berichtete, tobte Ende der 60er Jahre um Biafra, eine abtrünnige Region, die letztlich wieder Nigeria angeschlossen wurde.
Seitdem bewegt sich Fröhder mit Kamera und Mikrofon zwischen den Fronten von Rebellen, Diktatoren und Weltmächten, um über die Kriege zu berichten. Sein Anspruch ist vor Ort zu sein und so unabhängig wie möglich zu arbeiten. Auf die relative Sicherheit eines "embedded journalist" verzichtet Fröhder: "Warum sollte ich einen Teil der Pressefreiheit so einfach aufgeben?" Oft recherchiert er auf Seite der Rebellen und nimmt in Afghanistan auch Kontakt zu den Taliban auf. Ein Grund, warum die offiziellen Streitmächte den Journalisten bereits als Komplizen und Straftäter betrachteten. "Ich sehe es unter dem Aspekt, dass die Berichterstattung dazu beiträgt, dass man die Argumente des Gegners kennen lernt", erklärt Fröhder. Dafür reist er in die krisen- und gewaltgeschüttelten Länder.
Wie lässt sich unter solchen Bedingungen recherchieren, ist eine weitere Frage der Sommerakademie-Teilnehmer. Fröhder setzt auf eine penible Vorbereitung und ein klares Konzept: "Wo will ich hin? Was berichte ich?" Aus seinen Erfahrungen wird deutlich, dass dazu gute Kontakte nötig sind. Der Journalist kennt den irakischen Botschafter in Amman, der ihm im zweiten Golfkrieg nach Bagdad verhilft ebenso wie die Nummer des Pentagon. Fröhders Satellitentelefon ist in seinen 40 Jahren als Kriegsreporter schon mehrfach zum Lebensretter geworden.
Der Einmarsch der roten Khmer in Phnom Penh, Abwürfe von "Agent Orange" in Vietnam, Abu Ghraib in Bagdad und zahllose Angriffe auf die Bevölkerung hat Fröhder mit erlebt, so dass eine Frage beim Erzählcafe unausweichlich ist: Wie lassen sich diese Erlebnisse verarbeiten? Viel möchte der Journalist nicht sagen, weil es seine private Sache sei. "Wenn man weiß, dass man mit seiner Arbeit nur einige Leben gerettet hat, hilft es zu verarbeiten", erklärt er einsilbig. Im Krieg leide immer die Zivilbevölkerung am meisten, weshalb sich Fröhder als deren "Advokat" bezeichnet.
"In fast allen Krisengebieten ist nichts besser geworden durch militärische Einsätze – eher schlechter", sagt der Kriegsreporter zum Ende des Erzählcafés. Was für ein Fazit.
Erzählcafé: Wege zum Kriegsberichterstatter
O-Töne von Teilnehmenden:
Wolfgang Denzler, 24 Jahre, Journalistik-Student aus Hamburg:
Ich möchte nicht wirklich Kriegsreporter sein, denn ich weiß nicht genau, wie er es verarbeitet. Ich glaube, viele Kollegen hängen an der Flasche oder haben die gleichen posttraumatischen Sachen wie Soldaten im Einsatz. Dafür habe ich doch zu viel Spaß am Leben. Fröhders Bilder packen natürlich und seine Abgebrühtheit, wie er mit Soldaten und Wachleuten umgeht, ist beeindruckend. Der Mann erzählt so spannend, dass du kaum noch atmest.
Christine Hölzig, 28, freie Journalistin aus Köln:
Ich kann mir absolut vorstellen in Krisengebieten zu arbeiten. Es geht mir nicht darum, dass ich in den Krieg will, sondern ich möchte eher zu den Menschen, die darunter leiden. Ich will deren Geschichte erzählen und deren Umstände aufdecken, das ist es, was mich daran reizt. Das Erzählcafé war großartig. Was ich definitiv verstanden habe, ist: wie wichtig die Vorbereitung ist und wie viel Zeit man investieren muss.


