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Das "Crossmediale Superäffchen"

Tom Schimmeck – Vorbild wider Willen!

Von Lisa Korte

"Eigentlich mag er die große Bühne gar nicht gern", erklärt Carla Schulte-Reckert, Erfinderin der SommerAkademie, als sie Tom Schimmeck (50) ankündigt. Und wirklich: Tom Schimmeck, Publizist und taz-Mitbegründer ist keiner, der sich gern in den Mittelpunkt stellt und mit seinem Erfolg prahlt. Tom Schimmeck ist anders: intelligent, direkt und wortgewandt. Als Eröffnungssprecher der SommerAkademie begeistert er die Nachwuchsjournalisten mit seinen Gedanken zum Thema "Politischer Journalismus in Zeiten von Wahlen und Wirtschaftskrise".

Er sieht aus wie viele junge Leute im Raum: eine helle Jeanshose, ein schwarzes Hemd mit kurzen Ärmeln, dunkle, leicht gelockte Haare und eine schwarze Brille, die ein Stückchen tiefer als gewöhnlich auf der Nase sitzt. Tom Schimmeck betritt die Bühne und ist – entgegen aller Bescheidenheit - auf einmal in seinem Element: Er redet und gestikuliert, spielt mit den Worten und er sagt seine Meinung. "Um welche Krise geht es uns eigentlich? Um die ‚Horst-Schlämmer-Krise’ oder die Dienstwagenkrise von Ulla Schmidt?" Diese Fälle seien herrlich überschaubar und die Politik habe eindeutig Erregungspotenzial.

Tom Schimmeck war 20, als er mit 200 anderen die "taz" gründete. "Die tollste Ausbildung ist es, eine Zeitung selbst zu erfinden", sagt er. Sie suchten sich in Hamburg Büros, strichen die Wände, bekamen alte Büromöbel geschenkt und stritten darüber, ob ein zweiter Telefonanschluss wirklich nötig sei. Die Arbeit machte richtig Spaß, aber er fand trotzdem, dass ständig die falschen Fragen gestellt wurden und die ganze Mediensuppe einfach zu dünn und zu fad sei. "Das können wir besser machen!", sagte er sich und ging gemeinsam mit Kollegen ins politische Bonn. Zu dritt ging es wieder von vorne los: Büros suchen, streichen und die Möbel gab es geschenkt. Sie hingen sich rein und schufen einen Journalismus, der viel kontroverser war, als er heute ist. "Heute geht es nur noch ums Geld. Es gibt so viele Orte, in denen es gar keine Zeitung mehr gibt." Was auf dem Markt der Medienmöglichkeiten jetzt gewünscht ist, ist laut Schimmeck das "Crossmediale Superäffchen". Ein Journalist, der alles gleichzeitig, schnell und gut macht: Print, Online, Radio, Video und das alles in Rekordzeit und genialer Qualität.

Tom Schimmeck findet das furchtbar: "Die meisten Journalisten haben keine Zeit mehr, genau hinzugucken, sondern müssen nur schnell irgendetwas hinschreiben. Heute werden appetitlich angerichtete Info-Häppchen von PR-Köchen zubereitet." Eine grausige Vorstellung, die zutrifft. Und: Es wird viel geredet, aber wenig gesagt, da ist sich Schimmeck sicher. "Wir brauchen eine Sprache, die zu mehr fähig ist, als zu einer mittelklassigen Theater-Kritik", erklärt er mit durchdringendem Blick. - Dann schaut er auf und sagt: "Jetzt fehlt mir eine Seite. Das ist schon ziemlich hart, oder?" Das ist es, was ihn so anziehend macht. Keineswegs abgehoben, sondern mitten im Leben steht Tom Schimmeck, obwohl er mit seinen zahlreichen Auszeichnungen und Jobs bei renommierten Zeitungen wie "Die Zeit" und "Süddeutsche" durchaus angeben könnte. Macht er aber nicht. Stattdessen gesellt er sich zu den Nachwuchsjournalisten und erzählt von früher. Damals, als er bei der Schülerzeitung "Lichtblick" mit dem Schulleiter über die Zensur verhandelt hat. Er berichtet von seiner Zeit in Südafrika, als ihn seine Freundin "mitgeschleppt" hat und sie drei Jahre lang dort lebten. "Ich dachte, dass ich nie wieder über deutsche Politik schreiben würde."Es kam anders. Wegen der kleinen Tochter gingen sie zurück nach Deutschland und Tom Schimmeck schrieb doch wieder über deutsche Politik und über viele andere Dinge.

Das Tolle am Journalismus? "Ich werde dafür bezahlt, neugierig zu sein und habe immer einen Grund dazu, mit jedem zu reden." Die Nachwuchsjournalisten hängen an seinen Lippen und bewundern die Kraft, die von ihm ausgeht. Er vertritt überzeugend seine Meinung und begeistert mit seiner Wortakrobatik. Ein seriöser Journalist, der die Wahrheit sagt, aber so überzeugend und ansprechend, dass jeder ihm zuhört. Ein Kabarettist? Ein Künstler? Ein Redner? Tom Schimmeck vereint alles, doch vor allem ist er eins: Ein richtig guter Journalist.

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