FES / JournalistenAkademie / SommerAkademie
Bildnachweis copyright Agentur Pellens

Unsere Aktivitäten

Kalendarische Übersicht

zur Übersicht

Promis, Geld und Sex

Sascha Langenbach über Boulevard, Politik und seine Anfänge im Journalismus

Von Lisa Korte

Sascha Langenbach, Chefreporter Berliner KurierSie wird verachtet und geliebt: 11 Millionen Menschen halten täglich die BILD-Zeitung in der Hand; es gucken mehr Leute täglich in die BILD, als in die Tagesschau. Trotzdem bezeichnen sie viele als unseriös. Was steckt hinter dem Boulevard-Journalismus? Sascha Langenbach (41) war viele Jahre bei BILD, nun arbeitet er als Chefreporter für den Berliner Kurier. In seinem Workshop "Boulevardjournalismus" auf der Medien-SommerAkademie der Friedrich-Ebert-Stiftung beantwortete er alle Fragen rund um die Arbeit mit Klatsch und Tratsch.

Korte: Herr Langenbach, was macht die Boulevard-Presse wie BILD so erfolgreich?

Langenbach: In der BILD geht es darum, ein Massenthema zu haben, das möglichst viele Menschen betrifft. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Schweinegrippe. Weitere Themen sind Gesundheit, Promis, Geld, Gewalt, Sex und Sport. Wir können uns nicht dagegen wehren, aber wir fahren voll auf Klatsch und Tratsch ab. Natürlich weiß jeder etwas über Verona Pooth. Aber beim Bundeskanzler von Österreich wird es schon schwieriger, obwohl es um unser Nachbarland geht.

Korte: Wie geht man bei der Arbeit im Boulevard-Journalismus vor?

Sascha Langenbach in AktionLangenbach: In der Redaktion haben wir viele verschiedene Menschentypen. Wenn die Infos brauchen, dann klingeln sie an der Haustür und treten nett und bescheiden mit den Worten "Guten Tag, ich bin vom Axel-Springer-Verlag" auf. Das wirkt seriöser, als wenn sie den Zeitungsnamen nennen. Je nachdem, worum es geht, können das zarte Frauen oder kräftige Männer sein. Dann schleimen sie sich ein und kriegen alles heraus, was sie wollen.

Korte: Wie funktioniert das genau?

Langenbach: Nehmen wir an, ein Kind ist auf unglückliche Weise gestorben und die Zeitung möchte ein Foto dieses Kindes haben. Dann sagt der Reporter: "Sie haben die Möglichkeit, andere vor solch einem Unglück zu warnen. Das wäre doch auch in Ihrem Sinne, geben Sie uns doch ein Foto von Ihrem Kind." Das klappt meistens. Es gilt: Keine Bilder, keine Geschichte!

Korte: Wie kann man sich vor BILD-Reportern schützen?

Langenbach : Wer einmal BILD-Reporter hereingelassen hat, der wird sie so schnell nicht wieder los. Wenn euch jemals etwas passiert und ein Reporter vom Axel-Springer-Verlag zu euch kommt, dann macht die Tür zu, die Rollladen herunter und ruft euren Anwalt an. Wenn man der BILD den kleinen Finger reicht, dann frisst sie dich auf.

Korte: Was ist das Wichtigste bei der Arbeit im Boulevard-Journalismus?

Langenbach: Man muss das Thema auf den Punkt bringen. Wenn meine Mutter meine Texte versteht, dann sind sie gut. Die Berichte müssen glaubwürdig sein und die Leser mitnehmen. Die Menschen glauben jedes Wort.

Korte: Ist Boulevardjournalismus auch politisch?

Langenbach: Natürlich, aber auf andere Weise. Seriöse Zeitungen haben oft langweiliges Geschwafel und keine Infos. Die Leute interessieren sich für die Details, zum Beispiel, dass Dieter Althaus an seinem ersten Arbeitstag nach dem Ski-Unfall chinesischen Tee trinkt und Brötchen mit Marmelade isst. Das ist menschlich.

Korte: Wie Sind Sie zum Journalismus gekommen?

Langenbach: Angefangen hat alles bei der "Odenwälder Heimatzeitung". Ich wollte mit meiner Arbeit die Welt verbessern. Dann habe ich Politik, Skandinavistik und Öffentliches Recht studiert. Das habe ich aber abgebrochen, weil mir ein Volontariat bei der Hamburger Morgenpost angeboten wurde. Später wurde ich BILD-Nachrichtenredakteur.

Korte: Wie definieren Sie Journalismus?

Langenbach: Die Welt retten, Spaß haben und Geld verdienen.

Korte: Sie haben im Journalismus viel erreicht. Was möchten Sie jungen Journalisten mit auf den Weg geben?

Workshop-Situation Boulevard-JournalismusLangenbach: Wer journalistisch arbeiten will, der sollte das versuchen. Nicht jeder wird Journalist, aber es gibt immer noch Arbeit für Journalisten. Man muss alles machen, auch mal im Praktikum Kaffee kochen und den Kühlschrank sauber machen. Wenn es einfach wäre, Journalist zu werden, dann würde es jeder machen. Das Erfolgsrezept: Welt angucken, rausgehen, Geschichten schreiben. Es passiert immer und überall etwas.

zur Übersicht

 

News

STUDIUM:
Nachhaltigkeit & Journalismus

Das einjährige Weiterbildungs-studium "Nachhaltigkeit und Journalismus" bietet berufstätigen Medienmachern und Absolventen an der Universität Lüneburg ab Oktober 2012 die Chance, ihr Sachwissen in den Feldern Umwelt und Nachhaltigkeit zu vertiefen. Und mit Journalisten die Vermittlung grüner Themen zu üben.
Mehr finden Sie hier