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Wir präsentieren: Das vielleicht merkwürdigste Gewerbe der Welt

Tipps und Tricks für Nachwuchsjournalisten

Von Kathi Back

"Journalismus ist ein verdammt merkwürdiges Gewerbe!" Ich bin ganz Ihrer Meinung, Herr Schimmeck. Man muss schon ein bisschen bekloppt sein, um sich in Zeiten der Krise für diesen Beruf zu interessieren!

Doch eben dieser verdammte Journalismus brachte am Freitag, den 21.08.09 rund 75 junge Leute zwischen 18 und 32 Jahren dazu, sich in den Räumen der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Bonn intensiv mit dem Thema "Politischer Journalismus in Zeiten der Krise" auseinander zu setzen. Irgendetwas Faszinierendes muss es ja geben, das unsere Generation dazu bewegt den Journalismus als Berufsziel ins Auge zu fassen. Eins steht fest: Die Vielfalt der Teilnehmer auf der Medien-SommerAkademie, die in diesem Jahr von der FES ins Leben gerufen wurde, ist ebenso groß wie die Arbeitsfelder und Methoden in diesem verdammt interessanten Beruf.

Was macht den Nachwuchsjournalist von heute und morgen aus? Welche Stilform ist die Gefragteste? Ist es unbedingt notwendig, so schnell wie möglich die Karriereleiter nach oben zu klettern? Sowohl bei der Paneldiskussion als auch in den Vorträgen, Workshops und Erzählcafés wandelten wir auf der Suche nach unseren persönlichen Antworten. Lest hier, was euch die anwesenden Branchenprofis mit auf den Weg zum Traumberuf Journalist geben wollen:

"Das Einfachste ist, ne Arbeit zu machen, zu der man 100%ig stehen kann.", erklärt Tom Schimmeck, auch wenn er sich vielleicht nicht darüber bewusst ist, dass ich diese Aussage später für meine Tipps und Tricks gebrauchen werde. Ich kann ihm nur zustimmen: Wenn du dich mit deiner Arbeit identifizieren kannst, ist es quasi automatisch gewährleistet, dass du sie gut machst. Und wenn du erst mal mit dem journalistischen Fieber infiziert bist, ist es auch nicht so leicht wieder weg zu kriegen!

Hat man die Krankheit, in diesem komischen Gewerbe arbeiten zu wollen erst einmal in sich, sollte man sich - so rät es Konstantin Neven DuMont - mit möglichst vielen Krankheitsbildern befassen, heißt, so viele multimediale Bereiche wie möglich kennen lernen, um sich ein Grundwissen aufzubauen. Beginnend mit einem Praktikum sollte man sich dann auf das nach eigener Ansicht attraktivste Feld stürzen. Und viele Praktika bringen viele Erfahrungen – sagt der Mann mit dem eigenen Medienunternehmen. Ob er in vielen Praktika unterwegs war? Egal! Er meint es wahrscheinlich gut! Und wir müssen - wenn auch unfreiwillig - als den Praktika verschriebene Generation unserem Namen alle Ehre machen!

Wer sich noch unsicher ist, sollte, so Torsten Schäfer, Journalist bei GEO International in Hamburg, "sich erst mal in aller Ruhe mit sich selbst hinsetzen und sich viel Zeit für die spezielle Themenfindung nehmen." Hört sich bekloppt an? Ist aber sicherlich sinnvoll, womit wir auch wieder beim Thema verdammt merkwürdiges Gewerbe wären, nicht wahr, Herr Schimmeck?

Weiß man endlich, was man will, sollte man nicht den größten Fehler aller Zeiten machen und möglichst schnell Karriere machen wollen: Qualitätsjournalismus macht sich dadurch bemerkbar, dass du dir erst mal selbst deine eigene Meinung bildest! Und dich dann nicht der Einfachheit und Bequemlichkeit halber mit Allerweltsthemen auseinandersetzt und deinem Chef nach dem Mund schreibst, um vielleicht doch irgendwann als fester Mitarbeiter aufgenommen zu werden.

Mutige Leute mit Biss und Findigkeit braucht das Land! Egal ob Ingolf Gritschneder, Konstantin Neven DuMont oder Carla Schulte-Reckert - alle Profis sind sich einig: In unseren heutigen Krisenzeiten haben wir nichts davon, wenn das Land von karrieregeilen Nachwuchsreportern übervölkert wird, die nur darauf aus sind, ihre Geschichten der höchst bietenden Zeitung zu verkaufen und ihre Konkurrenten auszustechen!

Wer sich in diesem Bild wiederfindet, sollte sich an die eigene Nase packen und zusehen seine Einstellungen zu ändern: Schließlich wollen wir versuchen, den Trend zur Ich-Gesellschaft zu stoppen und uns lieber untereinander unter die Arme greifen und uns gegenseitig unterstützen. Von Nächstenliebe ist schon in der Bibel die Rede und in unserem späteren Beruf kann ein bisschen weniger Egoismus und ein bisschen mehr Wir-Gefühl sicherlich nicht schaden!

"Genauigkeit geht zu Gunsten der Schnelligkeit verloren.", bemängelt Hannelore Kraft. Sie hat Recht: Wir sollten versuchen, gemeinsam zu beweisen, dass dies nicht der Fall ist! Denn als Journalisten der Zukunft übernehmen wir einen wichtigen Auftrag in unserem Land: Wir sind zuständig für das Aufdecken von Missbrauch und die Kontrolle der Macht - das ist bei weitem keine leichte Aufgabe!

Doch "unser Land braucht junges Blut in den Redaktionen", davon ist Konstantin Neven DuMont überzeugt. Beweisen wir ihm und seinen Kollegen, dass wir, wie es Torsten Schäfer treffend formulierte, an einer anderen Welt mitbauen und etwas bewegen wollen!

Volker Engels Motto "Hart in der Sache, weich zu den Menschen" kann dabei hilfreich sein. Ingolf Gritschneder ist der Meinung, wir sollten uns die Meßlatte am Anfang nicht zu hoch legen, denn "gerade zu Beginn muss man zwar mit Misserfolgen rechnen, aber wenn man zehn Mal auf einen Stein geschlagen hat, bricht er beim letzten Mal heraus."

In diesem Sinne möchte ich mich mit den treffenden Worten von Carla Schulte-Reckert verabschieden: Liebe Kollegen, seid weder käuflich noch manipulierbar! Geht mit offenen Augen durch die Welt und vertretet euren Standpunkt, egal was euch euer Gegenüber erzählt!

Was ihr jetzt von diesen Tipps und Tricks haltet, ist natürlich eure Sache, denn wie wir eben gelernt haben, liegt die ganze Kunst darin, man selbst zu bleiben und zu seinen eigenen Einstellungen zu stehen. Aber manchmal kann es nicht schaden, sich in die richtige Richtung lenken zu lassen, auch wenn der gute Rat von den "Alten" kommt. Denn wie wir feststellen, hatten sie mit ihren Ansichten ja Erfolg, sonst ständen sie nicht auf dem Podium, wo wir sie am Wochenende gesehen haben.

Von daher schneidet euch ein Stückchen von der älteren Generation ab und versucht die Tipps mit euren Einstellungen zu verbinden. So können wir versuchen, etwas von den revolutionär geprägten Traditionen der Alten mit in unsere Zukunftsvisionen in das verdammt merkwürdige Gewerbe zu nehmen. Wenn uns dies gelingen würde, wäre das Ziel der Medien-SommerAkademie sicherlich erfüllt. Denke immer daran: Es liegt an dir!

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