FES / JournalistenAkademie / MainzerMedienDisput 2011

Unsere Aktivitäten

Kalendarische Übersicht

zurück zur Übersicht

Interviews & Kommentare zum 16. MainzerMedienDisput 2011

"In dem Moment, in dem man von etwas überzeugt ist, schafft man es auch"

Interview: Katrin Königl

Der Weg in den Journalismus ist heute steiniger als früher. Wie kann man sich dennoch als Berufseinsteiger auf dem übersättigten Markt behaupten? Rolf Clement, Redakteur beim Deutschlandfunk, hat dazu ein paar Tipps und Tricks verraten.

Herr Clement, wie sind Sie dahin gekommen wo Sie heute sind?

Ich wollte von Anfang an Journalist werden und habe schon bei der Schülerzeitung mitgewirkt. Und dann hatte ich riesigen Dusel. Als ich mitbekommen habe, dass ein Kollege, der für eine Reihe von Regionalzeitungen tätig war, die Stadt verlassen hat, habe ich mich seinem Chef vorgestellt und er meinte „ok, fang hier an“. Dafür habe ich sogar mein Jurastudium geschmissen. So ist eines zum anderen gekommen. Erst war ich beim NDR und seit einigen Jahren bin ich Redakteur beim Deutschlandfunk. Ich habe es als Quereinsteiger geschafft, das ist heute leider kaum noch möglich.

Wie kann man heute dennoch den Durchbruch schaffen?

Journalismus ist für mich ein Beruf, den man nicht lernen kann. Ein paar handwerkliche Fertigkeiten sicherlich, aber wenn man es nicht im Blut hat, wird man auch kein guter Journalist. Deswegen kann ich auch jeden verstehen, der trotz der starken Nachfrage sagt, das ist mein Traumberuf, da gehöre ich hin. In dem Moment, in dem man von etwas überzeugt ist, schafft man es auch. Das sage ich auch meinen Kindern immer. Wenn man also an einer Story dran ist und sagt Mensch, da will ich ein Ergebnis haben, das will ich jetzt veröffentlichen, weil das die Leute interessieren wird, dann wird man seinen Weg gehen. Sie müssen sich immer anbieten. Sprechen Sie die Leute an. Knüpfen Sie Kontakte. Und fallen Sie denen auf die Nerven. Immer und immer wieder. Sagen Sie ich hab hier ne Story, die musst Du veröffentlichen, sonst sind Deine Hörer oder Leser völlig uninformiert. Mit dem Bewusstsein muss man an die Sache rangehen.

Sollte man sich am Anfang unter Wert verkaufen um "reinzukommen" oder macht man damit nur die Preise in der Branche kaputt?

Es ist traurig, aber Sie kommen anders nicht rein. Das gleiche Problem hat auch meine Tochter. Sie studiert Sportjournalismus und hat sich mal mit meiner Kollegin von der Sportabteilung unterhalten. Und die hat ihr erklärt, sie kann in der Woche ungefähr vier oder fünf Beiträge einkaufen. Das ist ja eigentlich überall so. Wenn dann einer ankommt und sagt ich hab hier ne Story und er bekommt zur Antwort ich finde die Story hochinteressant, ich würde sie sofort senden, aber ich kann sie nicht bezahlen, dann sollte er das trotzdem tun. Und wenn er dann sagt ok, die ersten drei kriegst du so, den vierten bezahlst du mir, dann machen die mit. Ich würde Ihnen raten das zu tun, denn Ihr erstes Ziel ist es nicht die Preise hochzuhalten, Ihr erstes Ziel ist reinzukommen. Da ist das eigene Interesse stärker als irgendwelche übergeordneten medienpolitischen Interessen. Preise hochhalten müssen Sie dann später, das ist klar. Sie müssen ja davon leben können. Wenn Sie irgendwann drin sind, dann machen Sie das.

 

News

STUDIUM:
Nachhaltigkeit & Journalismus

Das einjährige Weiterbildungs-studium "Nachhaltigkeit und Journalismus" bietet berufstätigen Medienmachern und Absolventen an der Universität Lüneburg ab Oktober 2012 die Chance, ihr Sachwissen in den Feldern Umwelt und Nachhaltigkeit zu vertiefen. Und mit Journalisten die Vermittlung grüner Themen zu üben.
Mehr finden Sie hier