
Interviews & Kommentare zum 16. MainzerMedienDisput 2011
"Dann fragt doch gar nicht erst!"
Wie sich die Führungsriege des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Kreis dreht
Ein Kommentar von Fabian Franke
Wo soll es hingehen mit dem Journalismus? Wohin mit den Medien? Fragen, die die Welt bewegen – zumindest für die Medienmacher und Journalisten des 16. Mainzer Mediendisputs. Denn wo einst Zeitungen aus Händen gerissen und Sofaplätze vor dem Fernseher umkämpft wurden, herrscht heut bedrückende Gemächlichkeit, besonders bei der jüngeren Generation. Die Quoten mies, die Konkurrenz aus dem privaten Sektor groß und schon geht in den Chefetagen der Rundfunkanstalten die nackte Panik um. Identitätsverlust, Kontrollverlust, Jobverlust. Die Lösung: Debatten, Podiumsdiskussionen und Talkshows zu der Frage, wie man junges Publikum an die Medien bindet und warum eigentlich manchmal alles so langweilig und dröge ist, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Dabei in einer Talkshow zu argumentieren, dass das deutsche Fernsehen mit Talkshows überflutet ist, dürfte dem ein oder anderen paradox erschienen sein.
Besonders für junge und werdende Medienmacher sind solche Showdebatten oft nur noch ein Kopfschütteln wert. In lahmen, klar durchorganisierten Diskussionen unterhalten sich grauhaarige, anzugtragende „Experten“ darüber, wie junges Publikum zu begeistern ist. Kein einziger junger Mensch wird auf die Bühne gelassen, kein Ideengeber und Katalysator für frischen Wind. Denn diese sind dazu verdammt zuzugucken, wie sich die alten Herren in ihrem Elfenbeinturm im Kreis drehen und vorgeben, an einer Lösung interessiert zu sein. Die Gremien öffnen, die Parteistruktur aufsprengen und das Rätesystem des Rundfunks transparenter und offener für junge Ideen zu machen, sind nur spontane Einfälle. Doch es geschieht stattdessen gar nichts – dann fragt doch gar nicht erst!
So werden innovative Sendungen wie auf ZDF_neo weiter dem Quotendruck ausgesetzt, ohne zu beachten, dass die Zielgruppe eben genau nicht mit den herkömmlichen Erfassungsmethoden eingerechnet wird. Fast alle Studierende nutzen ausschließlich die Mediatheken, die aber nicht in die normale Quotenrechnung einfließen. So wünscht man sich gerade auf solchen Diskussionsveranstaltungen kreative, junge Menschen, die einfach sagen, was sie möchten. Dass sie eben nichts halten von Parteigeplänkel in einem Medium, das Information, Kultur und Unterhaltung vermitteln soll. Dass sie nichts wissen wollen von Intransparenz und Willkürentscheidungen in den Gremien; von grauen, verstaubten Gedanken in abgetretenen Talkshowformaten.
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Das einjährige Weiterbildungs-studium "Nachhaltigkeit und Journalismus" bietet berufstätigen Medienmachern und Absolventen an der Universität Lüneburg ab Oktober 2012 die Chance, ihr Sachwissen in den Feldern Umwelt und Nachhaltigkeit zu vertiefen. Und mit Journalisten die Vermittlung grüner Themen zu üben.
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